Skifreizeit als rehabilitative Maßnahme für Familien mit an Krebs erkranken Kindern
Im März 2026 fand die diesjährige Skifahrt im Pitztal (Österreich) statt, die von Prof. Dr. Nico Kurpiers vom Institut für Sportwissenschaften der Universität Hildesheim in Kooperation mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) organisiert wurde.
Insgesamt nahmen 11 Familien mit an Krebs erkrankten Kindern und Geschwistern teil. Zusammen mit dem 13 köpfigen Team ergab sich eine Gesamtgruppe von 51 Personen.
Die Fahrt ist ein jährlich stattfindendes Projekt und richtet sich gezielt an Familien nach Abschluss einer intensiven Krebstherapie, um sie in einer geschützten Umgebung bei der Rückkehr in ein aktives und selbstbestimmtes Leben zu unterstützen. Das Projekt wird u. a. vom Verein für krebskranke Kinder Hannover e.V. finanziell unterstützt.
Für viele der teilnehmenden Familien bedeutete diese Woche die erste Gelegenheit seit langer Zeit, wieder gemeinsam positive Erfahrungen zu machen. Die Zeit zuvor war geprägt von Klinikaufenthalten, Isolation aufgrund hoher Infektionsgefahr, organisatorischem Druck und der ständigen Sorge um die Gesundheit des Kindes. Auch nach Therapieende bleibt die Unsicherheit bestehen, insbesondere durch regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen und die Angst vor einem Rückfall.
Vor diesem Hintergrund wurde die Skifahrt bewusst als rehabilitative Maßnahme konzipiert, die die drei zentralen Dimensionen Physis, Psyche und Soziales gleichermaßen adressiert.
Im Mittelpunkt der Woche stand das gemeinsame Skifahren, das für viele Kinder (und Eltern) eine völlig neue Erfahrung darstellte. Unter fachlicher Anleitung wurden sie behutsam an die körperliche Belastung herangeführt und konnten ihre eigenen Grenzen austesten. Dabei zeigte sich eindrücklich, wieviel Leistungsfähigkeit bereits wieder vorhanden war. Viele erlebten zum ersten Mal seit ihrer Erkrankung, dass sie körperlich mithalten konnten – ein wichtiger Moment für das Selbstvertrauen. Gleichzeitig wurden die Eltern durch das erfahrene Betreuungsteam darin unterstützt, ihren Kindern Bewegung wieder zuzutrauen und diese aktiv zu fördern. Diese Erfahrung wirkt häufig über die Fahrt hinaus und erleichtert die Rückkehr in den Schul- und Vereinssport.

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Eine Teilnehmerin brachte ihre Eindrücke rückblickend auf den Punkt: „Die Fahrt tat mir körperlich und seelisch sehr gut. Ich konnte Sport machen, habe alles geschabt und konnte Pausen machen, wenn ich sie brauchte. Die Ruhe und die Aussicht waren richtig wohltuend. Besonders schön war der Austausch mit den anderen. Teilweise war es sogar ziemlich lustig.“ Viele Teilnehmende berichteten, dass sie sich erstmals wirklich verstanden fühlten, da alle Familien ähnliche Erfahrungen teilen.
Neben den sportlichen Aktivitäten bot die Woche zahlreiche Gelegenheiten für gemeinschaftliche Erlebnisse: gemeinsames Kochen, Casinoabend, Spiele und kleine Aubührungen sorgten für eine gelöste und fröhliche Atmosphäre. Ein besonderer Höhepunkt war die Fackelwanderung mit anschließender Skitaufe, für alle, die noch nie Skifahren waren.
Zwei besondere Herausforderung gab es dieses Jahr – mit über 20 Personen gab es sehr viele Anfänger:innen und zugleich nahmen ein erblindetes und ein sehgeschädigtes Kind teil. Um ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen, ließ sich ein Teil des Betreuungsteams im Vorfeld gezielt zu Blinden-Guides ausbilden. Durch diese intensive Vorbereitung konnten die Herausforderungen gemeistert werden. Dies verdeutlicht den hohen Anspruch des Projekts, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Teilnehmenden einzugehen und alle zu integrieren. Das Betreuungsteam setzte sich aus Ärzt:innen, Sportwissenschaftler:innen, Lehrkräften und Sportstudierenden zusammen und ermöglichte eine umfassende und gleichzeitig sehr persönliche Begleitung.
Die positiven Ebekte der Fahrt waren bereits während der Woche deutlich spürbar: Die Kinder gewannen sichtbar an Selbstvertrauen, probierten Neues aus und entwickelten eine große Freude an der Bewegung. Auch innerhalb der Familien war eine spürbare Entlastung zu erkennen. Eltern konnten Verantwortung abgeben, neue Perspektiven gewinnen und sich mit anderen Betrobenen austauschen. Geschwisterkinder, die im Alltag häufig zurückstecken müssen, erlebten sich als gleichwertiger Teil der Gemeinschaft.

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Die Durchführung dieser Skifreizeit wäre ohne die Unterstützung von Spender:innen, Sponsoren sowie fördernden Institutionen nicht möglich gewesen. Zwar leisten die teilnehmenden Familien einen Eigenanteil, der Großteil der Kosten – insbesondere für Unterkunft, Bustransfer, Skipässe und Verpflegung – wird jedoch durch externe Finanzierung getragen. Diese Unterstützung ermöglicht es, das Angebot für alle Familien zugänglich zu machen und gleichzeitig die hohe Qualität der Betreuung sicherzustellen.
Im Namen des gesamten Teams und der teilnehmenden Familien gilt daher ein besonderer Dank allen Förderern. Ihre Unterstützung trägt maßgeblich dazu bei, dass betrobene Kinder und ihre Familien nicht nur eine Woche Abstand vom belastenden Alltag gewinnen, sondern vor allem neue Kraft, Zuversicht und Vertrauen in die eigene Zukunft entwickeln können. DANKE!
Autor: Prof. Dr. Nico Kurpiers, Institut für Sportwissenschaften der Universität Hildesheim